Späterer Unterrichtsbeginn – wen freut’s, wen stresst’s?

Viele kennen es: Eine kalte Winternacht ist vorbeigegangen, morgens ist es zappenduster. Das Verlassen des Hauses scheint wie eine Qual, dennoch schlingt man sein Frühstück in sich hinein, putzt die Zähne und tritt vor die Tür. Warum?

Na klar – die Schule ruft!

In der ersten Stunde sitzt man dann müde und unausgeschlafen im Unterricht, teils schreibt man in dieser wichtige Tests wie Schulaufgaben oder Kurzarbeiten. Die Konzentration ist fast nicht vorhanden. Tatsächlich gehören zwei Drittel der 14-18-Jährigen zu den sogenannten „Eulen„.

Diese finden aufgrund vieler schlafstörender Hormone in der Pubertät vor 23 Uhr meist keinen Schlaf und haben bei frühem Unterrichtsbeginn teils schon um 7:30 Uhr schlichtweg zu wenig von diesem. Dies kann sich in schlechten Noten, jedoch auch in schlechter Laune und Vernachlässigung der sozialen Kontakte niederschlagen.

Wäre es nicht einfach sinnvoller, die Schule etwas später starten zu lassen?

Vielleicht sogar erst um neun, wie es bereits in einigen Ländern wie Finnland, Spanien oder Großbritannien praktiziert wird? Eine amerikanische Schule hat ausprobiert, wie sich ein späterer Schulbeginn auf die Leistungen der Schüler auswirkt. Die Schule begann dort eine Woche lang um halb neun statt acht Uhr.

Die Leistungen der Schüler waren danach tatsächlich besser und auch sie selbst wussten nur Positives darüber zu berichten. Sie fühlten sich fitter und glücklicher. Wenn der spätere Unterrichtsbeginn doch so viele Vorteile bietet, warum wird dieser dann nur in wenigen Schulen in Deutschland praktiziert?

Ein Aspekt ist, dass es in der Früh momentan sehr wenige Betreuungsmöglichkeiten gibt. Vor allem die Eltern, die einen nicht akademischen Beruf ausüben, haben Probleme, ihre Kinder irgendwo unterzubringen.

Morgens früher raus oder nachmittags länger in der Schule?

Zudem müsste die verlorene Unterrichtszeit nachmittags nachgeholt werden, wodurch auch in den entstehenden Mittagspausen für Essen und Betreuung vor allem für die Jüngeren gesorgt werden müsste . Auch stehen über 50-Jährige meist früh auf, werden aber nachmittags schnell müde.

Genau in diesem Alter befindet sich über die Hälfte der Lehrer, für die es ebenfalls eine riesige Umstellung wäre. Abschließend kann man sagen, dass ein späterer Unterrichtsbeginn sicherlich, viele Vorteile bietet, aber das Schulsystem stark verändert werden müsste. Außerdem stellt sich noch folgende Frage:

Möchte ein Großteil der Schüler wirklich täglich nachmittags eine Stunde später nach Hause kommen als bisher?

Frank Reimann

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