Wenn Menschen an Menschen experimentieren

„Lupus est homo homini“ – ein Wolf ist der Mensch dem Menschen. So schrieb es der römische Dichter Plautus. Und ja, Menschen können wahrlich grausam sein – nicht nur im Krieg, sondern auch in der Forschung (Oder was sie für Forschung halten).

Manche der folgenden Experimente an Menschen wirken wie frei erfunden – sind sie aber nicht. Alle haben in der Vergangenheit tatsächlich so stattgefunden.

Ich habe recherchiert und einige Experimente gefunden, von denen ich euch berichten möchte. Ein Menschenversuch, oder auch Humanexperiment, ist ein Experiment an einem oder mehreren Menschen. Menschenversuche wurden oftmals dazu genutzt, um neue Medikamente zu testen, bevor man sie zulassen konnte. Unabhängig davon findet man jedoch in der Geschichte zahlreiche Beispiele für Experimente an Menschen, die gegen deren Willen durchgeführt wurden – oder sogar ohne deren Wissen.

Geschichte der Menschenexperimente

„Archäologische Funde aus prähistorischer Zeit belegen zwar medizinische Eingriffe am menschlichen Körper, wie etwa Trepanationen, es wird jedoch angenommen, dass das Vorgehen eher mythisch-religiös – und damit vorwissenschaftlich – intendiert war.

https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenversuch#Geschichte_der_Menschenversuche

Eine Trepanation beschreibt das Vorgehen, bei dem bei toten Körpern eine fest umschlossene Körperhöhle, meist durch Anbohren, geöffnet wird. Erst durch Aristoteles weiß man, dass man auch den lebendigen menschlichen Körper untersuchen muss, da sich der tote Körper so verändert, dass sich die Ergebnisse vom lebendigen Leib unterscheiden. Deshalb begannen ab Ende des 4. Jahrhunderts vor Christus die ersten systematischen Vivisektionen in Alexandria. Dies sind Eingriffe an lebendigen Wesen – unter anderem auch lebenden Menschen.

Ungefähr vier Jahrhunderte später berichteten römische Historiker, dass sie bis zu 600 Menschen bei lebendigem Leibe seziert hatten. Diese Versuche dienten höchstwahrscheinlich dazu, die menschliche Anatomie besser zu verstehen. Auch gibt es Berichte von römischen Ärzten, welche z.B. zumindest einen von zwei hoffnungslos erkrankten Zwillingen zu retten versprachen, wenn einer der beiden viviseziert werden durfte.

Ärzte waren im christlichen Mittelalter nur Mönche oder Priester, welche eher studiert als praktiziert hatten und bei ihren Ausübungen immer mit einer Exkommunikation rechnen mussten. Die meisten Versuche wurden an zu Tode verurteilten Gefangenen erlaubt und waren auch an vielen Orten üblich. Dabei wurden unter anderem die Wirkungen von Pflanzengiften und ihrer Gegengifte erprobt. Diesbezüglich ist ein Experiment aus dem 16. Jahrhundert überliefert, bei dem die hohe Toxizität von blauem Eisenkraut nachgewiesen wurde.

Ab dem 18. Jahrhundert waren Sektionen im sogenannten anatomischen Theater üblich. Hier wurden in einem Raum mit tribünenartiger Anordnung, der Zuschauerplätze mit freier Sicht auf einen Seziertisch in der Mitte bot, anatomische Demonstrationen und auch Sektionen, d.h. Zergliederungen menschlicher Körper, durchgeführt.

Anatomisches Theater

Am Anfang des 19. Jahrhunderts gewannen Experimente an Menschen an Bedeutung. Claude Bernard, ein Begründer der experimentellen Physiologie, sagte im Jahr 1865:

Von den Versuchen, die man am Menschen ausführen kann, sind jene, die nur schaden können, verboten, jene, die harmlos sind, erlaubt, jene, die nützen können, geboten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenversuch#Geschichte_der_Menschenversuche

Man hatte also bereits im 19. Jahrhundert verstanden, dass nicht alle Menschenexperimente für den Menschen von Nutzen sein würden. Dennoch gab es seither unzählige Beispiele, die auf teils grausame Art und Weise belegen, wie unmenschlich manche Wissenschaftler hier agiert haben – ohne Rücksicht auf die Betroffenen. Einige Beispiele werden im Folgenden kurz dargestellt.

Auswahl bekannter Menschenexperimente

1. Das Stotter-Experiment

Der Sprachtherapeut Wendell Johnson vermutete, dass die Entwicklung des Stotterns davon abhing, wie andere Menschen auf harmlose Sprachfehler reagierten. Daraufhin führte 1939 seine Studentin Mary Tudor Jacobs ein Experiment mit 22 Waisen durch. Sie sollte die eine Hälfte zu Stotterern machen, wobei sie sie bei jedem Fehler korrigierte, verunsicherte, und ihnen erklärte, wie schrecklich sie sich anhören würden. Außerdem redete sie auf die Kinder ein und sagte ihnen, dass sie immer weiter und schlimmer stottern würden, wenn sie nur einmal damit anfingen. Also sollten sie lieber nichts sagen, wenn sie nicht richtig sprechen könnten. Sogar die Kinder, die zuvor nicht stotterten, trauten sich bald nicht mehr, in der Klasse zu sprechen. Das neunjährige Mädchen Betty Hull bedeckte nur noch stumm ihre Augen, wenn man sie etwas fragte. Ein weiteres Mädchen namens Mary Korlaske hatte man gefragt, ob ihre beste Freundin wüsste, dass sie stottern würde, und sie antwortete nur, dass sie fast gar nicht mehr mit ihr spreche. Nach dem Experiment wurde den Kindern gesagt, dass mit ihrer Sprache eigentlich alles in Ordnung sei, aber der Schaden konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden, und auch Mary Korlaske lernte nie wieder normal zu sprechen. Zudem wussten die Kinder vor dem Experiment nicht, woran sie tatsächlich teilnahmen.

2. Studie gegen Syphilis

Im Jahr 1923 begann eine Studie gegen Syphilis. Trotz der Entdeckung des Penicillins war noch keine Heilung gegen diese sexuell übertragbare Krankheit gefunden. In Tuskgee wurden 399 afroamerikanische Bürger als Versuchskaninchen des US-Gesundheitsministeriums und des Tuskgee Institutes benutzt, um Syphilis am menschlichen Körper zu untersuchen und ein Medikament zu finden. Am Ende, ca. 1972, haben nur 74 Männer überlebt, alle anderen sind gestorben. Darüber hinaus wurden 40 schwangere Frauen infiziert, wobei 19 ihrer Kinder mit Syphilis auf die Welt kamen.

3. Das Phobien-Experiment

Dr. John Watson und seine Studentin Rosalie Rayner führten im Jahr 1920 ein Experiment mit einem neun Monate alten Baby durch. Ihr Ziel war es zu bestätigen, dass ein Kind von Geburt an nach Belieben beeinflusst und sein Geist geformt werden kann. Sie wollten in dem kleinen Albert eine allgemeine Phobie gegen Tiere hervorrufen. Das Experiment begann damit, dass Albert mit einer weißen Ratte in Kontakt gebracht wurde. Bei Eintritt der Ratte in den Raum erklangen schrecklich laute Geräusche, jedes Mal mit steigender Intensität. Am Ende des Experiments zeigte das Kind eine stark ausgeprägte Phobie gegen Tiere mit Fell. Der junge Albert starb mit nur 6 Jahren. Bis dahin hatte er weder gelernt zu laufen noch zu sprechen und hatte eine geistige Behinderung erlitten. Die Mutter des Jungen wurde mit einem Dollar für das Experiment entlohnt.

4. Das Gefängnis von Stateville

Im Zweiten Weltkrieg versuchte man vergebens ein Heilmittel gegen Malaria zu finden. Im Jahr 1944 und den Jahren danach wurde eine Studie im Gefängnis von Stateville durchgeführt, wobei 400 Gefangene zu Testpersonen wurden. Den Testpersonen wurde eine Strafverkürzung versprochen, wenn sie sich freiwillig für medizinische Zwecke mit Malaria infizierten. Neben teils schweren Nebenwirkungen kam es auch zu einem Todesfall.

5. Die Kontrolle des Geistes durch die CIA

Während des Kalten Krieges setzte die CIA zahlreiche Bürger, Studenten und Militärs unter den Einfluss harter Drogen und führte hypnotische Behandlungen durch, um herauszufinden, ob eine vollständige Bewusstseinskontrolle möglich war. Dieses Projekt dauerte mehr als 20 Jahre und ist verantwortlich für den Tod mehrerer Menschen. 1973 zerstörte die CIA alle Spuren dieser Studie, welche mehr als 20 Millionen Dollar gekostet hatte.

Diese und weitere Beispiele verdeutlichen, dass es immer wieder Institutionen und Wissenschaftler gegeben hat, die das Leben von Menschen auf rücksichtslose Art und Weise für ihre Zwecke zerstört haben, nur um Theorien zu bestätigen oder zu entkräften.

Nach dieser schweren Kost soll abschließend noch eine gute Nachricht folgen. Heute werden Tests an einem Menschen nur dann durchgeführt, wenn man eine Erlaubnis und die Einverständnis dieser Person hat. Darüber hinaus werden nur tote Körper seziert oder für medizinische Zwecke genutzt.

Artikel von Milissa Müller

Klasse 9b

Quellen:

https://www.curioctopus.de/read/10313/10-wenig-bekannte-experimente-an-menschen

https://www.vice.com/de/article/ezp3z7/schreckliche-dinge-die-sich-menschen-antun-666

https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenversuch

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