Das Bergmassiv, das sich hinter der Metropole erhob, war vollkommen in Dunkelheit gehüllt. Teheran glühte golden. Nur noch wenige Autos schlängelten sich durch die Straßen der Metropole. Der Muezzin machte sich langsam bereit, zum Fajr zu rufen.
Doch plötzlich ein Schlag. Es knallte. Druckwellen zerrissen die Nacht, und die ohnehin schon gebeutelte Stadt war ein weiteres Mal zum Zankapfel geworden.
Aber wieso? Wieso kommt ein Land, das seit Jahrtausenden besiedelt wird, nicht zur Ruhe?
Die Vorgeschichte
Bereits im Jahr 1992 behauptete der damalige israelische Abgeordnete Benjamin Netanyahu, dass der Iran in den nächsten drei bis fünf Jahren eine Atombombe bauen könnte.
Genauso wie 20 Jahre später, mittlerweile zum Präsidenten gewählt, warnte er vor der UN, dass der Iran im nächsten Jahr eine Atombombe bauen wolle. Diese Atombombe ist bis jetzt nicht gebaut worden, jedoch muss gesagt werden, dass der Iran bereits weitreichende Schritte unternommen hat, Uran für Waffen anzureichern. Das ist aber eine aktuelle Entwicklung und war vor 20 oder 30 Jahren nicht in diesem Ausmaß der Fall.
Jedoch ist die frühe Angst vor der Atombombe nur die Folge eines viel komplizierteren Konflikts, denn bereits seit der Islamischen Revolution im Iran 1979 erkennt die Regierung des Irans den Staat Israel nicht an und äußerte wiederholt feindliche Positionen gegenüber Israel.
Finanzier von Terrormilizen
Der Iran setzt außerdem noch auf ein anderes Mittel, um Israel zu schaden: Seine Regierung finanziert ein weitreichendes Netzwerk verbündeter Gruppen. Darunter die Hamas, die Huthi-Bewegung und die Hisbollah. Diese erhalten nicht nur Geld, sondern auch Waffen und Unterstützung beim Aufbau militärischer Fähigkeiten.
Diese seit Jahrzehnten aufgeladene Spannung entlud sich vorerst in einem offenen Konflikt im Sommer 2025.
Unter Berufung auf die atomare Bedrohung durch den Iran griff Israel am 13.06.2025 an und zerstörte vornehmlich Anlagen zur Kernforschung.
In diesen Krieg schalteten sich schließlich am 22.06.2025 auch die USA ein und unterstützten Israel bei der Zerstörung von wichtigen Forschungszentren.
Verfahrene Beziehung zwischen den USA und Iran
Die Beziehung der USA zum Iran und Israel ist ebenso komplex wie die Beziehung des Irans zu Israel. Während der Zeit der Monarchie im Iran war das Verhältnis zu den USA eher freundschaftlich. Das änderte sich jedoch während der islamischen Revolution. Denn Studenten besetzten die US-Botschaft in Teheran, um zu verhindern, dass diese den damaligen Herrscher aufnehmen würde. Diese Studenten nahmen auch die Mitarbeiter als Geiseln, und die Geiselnahme endete erst nach 440 Tagen.
Seitdem hat sich das Verhältnis zunehmend verschlechtert, und das nicht nur durch den Iran, denn viele politische Kräfte in den USA sind für eine uneingeschränkte Loyalität gegenüber Israel und tragen so nicht zu einer Verbesserung der Verhältnisse bei.
Wer bei all diesen Verstrickungen jedoch nicht vergessen werden darf, sind neben China und Russland, die enge Beziehungen zum Iran pflegen, auch das iranische Volk, das sich durch Proteste und große Opfer immer wieder kleine Freiheiten erkämpft hat, zuletzt aber brutal vom iranischen Regime niedergekämpft wurde.
Der aktuelle Konflikt
Wie ein Gewitter, das sich seit Monaten, wenn nicht seit Jahren, zusammengebraut hatte, entluden sich am 28.02.2026 die angesammelten Spannungen erneut.
Wie Blitze schossen amerikanische und israelische Raketen auf den Iran nieder und töteten laut Berichten bereits zu Beginn den obersten Religionsführer und andere Staatsmänner.
Israel begründete das erneute Ausbrechen dieses offenen Konflikts mit der existenziellen Bedrohung, die weiterhin durch den Iran bestand, und Donald Trump erklärte, dass der Iran die nationalen Sicherheitsinteressen der USA bedrohe.
Nur wenige Stunden später weitete sich der Konflikt aus, denn während der Iran Ziele in Bahrain sowie in den Vereinigten Arabischen Emiraten beschoss, um indirekt Druck auf deren Verbündete auszuüben, griffen Milizen Israel an und beschossen es vom Libanon aus mit Raketen.
Ausweitung des Konflikts auf den gesamten Nahen und Mittleren Osten
Die beschossenen Staaten verhielten sich vorerst ruhig und verzichteten auf Gegenangriffe. Ein Grund dafür könnte sein, dass diese Staaten nach dem Ende des Konflikts den Iran nicht zum Feind haben wollten, zumal ihr Schutz stark von Militärbasen in ihrer unmittelbaren Nähe abhängt und dies vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation in den USA sehr fragil ist.
Am 04.03.2026 gab die iranische Revolutionsgarde bekannt, dass sie die vollständige Kontrolle über die Straße von Hormus erlangt habe. Somit hatte der Iran wohl seine mächtigste Karte in diesem Konflikt ausgespielt, denn es war klar, dass der Iran allein mit konventioneller Kriegsführung nicht gegen die USA und Israel bestehen könne.
Durch die Sperrung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Seestraßen der Welt, bekam der Konflikt eine neue, weltweite Dimension.
Die Straße von Hormus – das Ass im Ärmel der Mullahs
Durch diesen Seeweg kommen 20 % bis 25 % des weltweiten Öls, und das ist nicht nur ein lokales Problem, denn je länger dieser Krieg dauert, desto größere Folgen hat er.
Diese Folgen sind mehr als einen Monat später auch in Deutschland spürbar. Erst vor Kurzem gab die Lufthansa bekannt, dass sie bis zu 20 000 Flüge für dieses Jahr streichen werde, da Kerosin knapp wird. Außerdem schließt das Unternehmen rückwirkende Preissteigerungen nicht aus. Gleichzeitig ist das prognostizierte Wirtschaftswachstum in Deutschland auf 0,5 % gesunken.
Doch nicht nur in Deutschland hat diese Blockade große Auswirkungen, auch in den USA sorgen Preissteigerungen für Unzufriedenheit. Aktuell befinden sich der Iran und die USA in Verhandlungen, jedoch ist ein schnelles Ende des Krieges noch nicht in Sicht.
Dieser Konflikt ist ein klares Beispiel dafür, wie komplex eine solche Situation ist. Es gibt hier kein einfaches Gut gegen Böse oder Schwarz gegen Weiß. Vielmehr verfolgen alle Konfliktparteien eigene Interessen, wodurch es schwierig wird, die Lage eindeutig zu bewerten. Gleichzeitig haben Prozesse wie die Globalisierung dafür gesorgt, dass solche Konflikte weitreichende Konsequenzen haben und auch uns in Deutschland betreffen. Außerdem zeigt dieser Konflikt noch etwas anderes: Wirtschaftliche Mittel können eine ebenso große Wirkung entfalten wie konventionelle Waffen.
Krischan Heidelbach
