Corona – Abitur und jetzt?

Gedanken und Gefühle der Abiturient*innen in Corona-Zeiten

 

Schule von zu Hause – die Corona-Pandemie stellt Schüler*innen und Lehrer*innen vor ganz neue Herausforderungen. Der Stoff muss irgendwie bis zum Ende des Schuljahres durchgenommen worden sein und der straffe Lehrplan erlaubt da keine fünf Wochen Pause. Also werden Arbeitsaufträge verteilt, Arbeitsblätter verschickt und korrigierte Aufsätze zurückgesendet. Trotz der vielen Online-Angebote kann diese Art von Lernen aber keineswegs mit dem echten Unterricht verglichen werden. Jetzt ist Fleiß, Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen gefragt, etwas, das für leistungsstärkere Schüler*innen wohl weniger zum Problem werden wird als für die Schwächeren. Aber es besteht doch die Hoffnung, eventuell entstehende Lücken im weiteren Verlauf des Schuljahres noch zu schließen, und auch Leistungserhebungen können (vorausgesetzt die Schule kann bald nach Ostern wieder normal losgehen, was durchaus fraglich ist) vergleichsweise problemlos nachgeholt werden. Somit stellt die Schulschließung für Unter- und Mittelstufe wohl doch ein überschaubares Problem dar.

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Seit dem 16. März sind in Bayern die Schulen zu.

 

Was ist mit den Abiturient*innen?

 

Ganz anders sieht es aber aus, wenn man sich mal uns, den Abiturjahrgang, anschaut: Schon am 30. April hätten die Prüfungen beginnen sollen, zum Zeitpunkt der Schulschließungen befanden wir uns gerade mitten in der letzten Klausurenphase. Das zweite Halbjahr der 12. Klasse ist sowieso schon extrem eng, gerade einmal zwei Monate bleiben für den letzten Ausbildungsabschnitt, acht Wochen, in denen in jedem einzelnen Fach noch eine Klausur geschrieben, mündliche Noten gemacht, Referate gehalten und der letzte Stoff durchgenommen werden müssen. Gerade die Zeit zwischen Faschings- und Osterferien ist nur so zugekleistert mit Klausuren, man muss mehr oder weniger für drei Tests gleichzeitig lernen, nebenbei ein Referat halten, der Aufsatz fehlt ja auch noch und ach ja, dann wäre da ja auch noch das nach Ostern fällige Abitur… Die einzige Motivation ist da noch: „Nur noch einmal, einmal für Geschichte lernen, einmal eine endlose Deutschklausur schreiben, in zwei Monaten ist alles vorbei.“ Und mitten in dieser Zeit, in der man kaum nach rechts und links schauen kann, nur noch die nächste Klausur im Blick hat und versucht, alles so gut wie möglich auf die Reihe zu bekommen, plötzlich –

 

nichts. Die Schulen sind zu. Kein Unterricht, alle Klausuren, Referate und andere Tests sind auf einmal weg. Man fällt in ein Loch, plötzlich ist nichts mehr sicher. Wann und wie wird das Abitur, auf das seit zwölf (auch mal mehr oder sogar weniger) Jahren hingearbeitet wird, stattfinden? (Wann) schreiben wir die Klausuren noch? Muss ich das Referat noch halten? Soll, und wenn ja, wie kann ich mich vorbereiten? Niemand weiß etwas, weder Lehrer*innen, noch das Kultusministerium. Alles was wir bekommen, ist die Versicherung, dass wir keine Nachteile haben würden.

 

Abitur ohne Abischerz?

 

Irgendwann kam dann die Meldung, dass die Prüfungen verschoben werden, sodass sie nach aktuellem Stand am 20. Mai beginnen sollen. Immerhin haben wir jetzt schon mal ein Datum und Informationen! Wir hatten damit gerechnet, dass das Abitur auf jeden Fall nicht zur geplanten Zeit in normaler Fassung stattfinden wird, das wäre mit all den noch fehlenden Leistungserhebungen schlicht nicht möglich gewesen. Trotzdem wirft das natürlich die komplette Planung über den Haufen: Reisen, falls sie nicht eh schon abgesagt wurden, müssen verschoben, Praktika abgesagt werden. Die Pfingstferien sind jetzt fürs Lernen reserviert statt,wie vorher gedacht, für Urlaub, Freunde, und alles, was in der vorherigen Zeit zu kurz kam. Und auch Zeugnisverleihung und Abiball, beides schon lange geplant und sehnsüchtig erwartet, müssen umorganisiert werden, der Abischerz scheint aktuell gar nicht stattfinden zu können und eventuell muss auch auf die mit Vorfreude, aber auch Wehmut erwartete letzte Theatervorführung oder das letzte Sommerkonzert verzichtet werden. So sind die Theateraufführungen des Oberstufentheaters bereits ausgefallen, es ist sehr fraglich, ob sie zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden können und auch das alljährliche Sommerkonzert muss auf jeden Fall verlegt, wenn nicht sogar ebenfalls abgesagt werden.

 

Enger Klausurenplan

 

Und als wäre das nicht schon genug, bekommen wir dann ein paar Tage später den neuen Klausurenplan: Dadurch, dass an unserer Schule die zweite Klausurenphase recht weit nach hinten gerutscht ist, stehen für die meisten Schüler noch etwa sechs Klausuren sowie Referate und weitere Leistungserhebungen aus. Fünf Wochen nach den Ferien soll die erste Abiturprüfung stattfinden, mindestens eineinhalb Wochen vorher ist Notenschluss, um Zeugnisse und Abiturzulassungen erstellen zu können. Und dann kommt noch die Korrekturzeit der Lehrer sowie Termine für Nachschriften dazu und schwups – innerhalb von zwei Wochen sollen alle fehlenden Klausuren geschrieben werden, was auf je drei Klausuren pro Woche hinausläuft. Zum Vergleich: Unter normalen Umständen sind höchstens zwei Klausuren pro Woche erlaubt. Dazu kommt, dass es sich um durchaus wichtige Fächer wie Mathe und Deutsch sowie, für viele, weitere Abiturfächer handelt. Und eigentlich müsste man sich ja auch noch auf das wenige Zeit später anstehende Abitur vorbereiten…

 

Die Diskussion um das „Durchschnittsabitur“

 

Vor ein paar Tagen kam die Idee des „Durchschnittsabiturs“ auf, bei der auf abschließende Prüfungen verzichtet und nur auf Basis der letzten beiden Schuljahre eine Abiturnote gebildet werden soll. Ich halte das, im Gegensatz zu einigen Mitschülern, eigentlich für keine gute Lösung. Ich möchte nach all dem Stress nicht nur ein „Durchschnittsabitur“ bekommen, ich möchte die Prüfungen hinter mich bringen und danach stolz auf mich sein. Über ein „hinterhergeworfenes“ Abi könnte ich mich lange nicht so sehr freuen, auch wenn die meisten von uns schon in den letzten zwei und all den Jahren davor hart gearbeitet haben. Wieso sollten andere Generationen sich Prüfungen stellen müssen, und wir bekommen den Abschluss dann einfach so? Und doch ist die aktuelle Lösung aus unserer Sicht auch nicht fairer… Es muss doch irgendeinen Mittelweg geben! Weder gleich komplett alles hinschmeißen, noch krampfhaft an den Prüfungen festhalten, etwas, bei dem wirklich, wie uns versprochen wurde, keinerlei Nachteile entstehen. Aber wie soll das aussehen?

 

Die Ruhe vor dem Sturm?

 

Noch immer ist es alles andere als sicher, ob die aktuellen Pläne so beibehalten werden können. Diese Unsicherheit macht es vielen auch schwer, sich effektiv auf die Prüfungen vorzubereiten. Zwar haben wir jetzt mehr als genug Zeit für Übungen und Wiederholungen, was zur Vorbereitung eigentlich perfekt ist. Aber sich dazu zu motivieren, effektiv für etwas zu lernen, das vielleicht doch nicht oder in ganz anderer Art und Weise stattfinden wird, ist nicht immer so leicht. Gleichzeitig bringt das Gefühl der Untätigkeit (bezogen auf Klausuren und andere Leistungserhebungen), während einem bewusst ist, dass diese unglaublich stressige Klausurenphase sowie die Abiturprüfungen kommen werden, einen gewissen Druck mit sich.

 

Ich bin gespannt, auf welchem Weg wir letztendlich zum Abitur kommen, wie unser Bildungssystem die Situation meistert. Letztendlich sollte aber trotz der Wichtigkeit dieses Abschlusses die Gesundheit zu jeder Zeit im Vordergrund stehen!

 

Lena Gärtner, Q12

 

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Reicht „Homeschooling“ auch zur Abiturvorbereitung?

 

Meine Gedanken und Gefühle zum Abitur 2020, von Eva Meermann, Q12

 

Ein Freund von mir hat einmal zu mir gesagt: „Genieß die Abizeit! Die Abizeit ist die beste Zeit.“

 

Ich glaube, ich freue mich schon seit der fünften Klasse auf meinen Abischerz mit dem Cheerleading, meinen Abiball und alles drum und dran. Dass das, sowie das Sommerkonzert, jetzt vielleicht wegfallen könnte, macht mich sehr traurig! Außerdem bereitet mir diese Ungewissheit Sorgen. Unsere Abiprüfungen wurden verschoben und die Klausuren in die wenigen Wochen gequetscht, die vor dem Abitur noch bleiben.

 

Zurzeit wird bei uns im Jahrgang auch das Durchschnittsabitur, ein Konzept, bei dem aus den letzten drei Halbjahren ein Durchschnittswert berechnet werden soll, sehr diskutiert. Ich weiß nicht, was ich darüber denken soll, auf der einen Seite finde ich die Idee gut, habe aber Angst, dass ich dann durch die fehlenden Abiprüfungen nie so richtig abschließen kann.

 

Am meisten regen mich aber die Leute im Netz auf, die sich über den diesjährigen Abiturjahrgang aufregen und sagen, dass wir extreme Vorteile den anderen Jahrgängen davor gegenüber haben. Diese Leute, die sich beschweren, hatten eine Mottowoche, einen Abischerz und einen Abiball und zusätzlich immer Gewissheit, wann sie ihr Abitur schreiben. Bei uns steht aber ALLES auf wackligen Beinen!

 

In einem Artikel habe ich den Satz gelesen „Das Abitur 2020 wird wohl als eines der traurigsten in die Geschichte eingehen.“, das hoffe ich aber nicht! Ich hoffe, wir schaffen es, das Beste aus der Situation zu machen und dass wir als der Jahrgang bekannt werden, der sich trotz dieser Extremsituation durchgekämpft hat und sein Bestes gegeben hat!

 

Ich grüße hier auch meinen Jahrgang; haltet durch und ich denk an euch!! ❤

 

 

Eva Meermann, Q12

 

 

 

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